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Recht / Zivilrecht 
Donnerstag, 10.01.2019

Kein Schadensersatz für verlorene Zahnprothese eines Verstorbenen

Das Landgericht Osnabrück hatte zu entscheiden, ob auch Erben berechtigt sind, im Falle des Verlusts einer verloren gegangenen Zahnprothese den Wert des persönlichen Gegenstands ersetzt zu verlangen (Az. 7 O 1610/18).

Der Vater der Klägerin hatte sich im Sommer 2017 in stationärer Behandlung in einer Klinik befunden. Die Beklagte war Trägerin der Klinik. Im Laufe des stationären Aufenthalts war die Zahnprothese des Vaters verschwunden und konnte nicht mehr aufgefunden werden. Eine Verständigung mit dem Vater war wegen seiner erheblichen kognitiven Einschränkungen nur sehr eingeschränkt möglich. Nach dem Tod des Vaters verlangte die Klägerin für die Erbengemeinschaft Wertersatz in Höhe von 6.055,95 Euro für die verlorene Prothese. Sie war der Auffassung, die Beklagte müsse den Schaden ersetzen, der durch den Verlust der Prothese entstanden sei. Die Beklagte habe eine ihr obliegende Obhutspflicht verletzt, jedenfalls sei ein Organisationsmangel gegeben. Weil die Prothese bereits in Gebrauch gewesen sei, verlange sie nicht die ursprünglichen Herstellungskosten in Höhe von rund 9.000 Euro, sondern nach dem sog. Abzug “neu für alt” lediglich rund 6.000 Euro.

Das Landgericht wies die Klage jedoch ab. Der Verlust einer Zahnprothese wirke in erster Linie auf nicht materieller Ebene. Die Beeinträchtigung treffe den persönlichen, nicht in Geld messbaren Bereich. Die Zahnprothese diene wesentlich der Herstellung von körperlichen Fähigkeiten wie der Nahrungsaufnahme und dem unbeeinträchtigten Sprechen. Es gehe daher im Ergebnis um eine Kompensation für die fortdauernde Beeinträchtigung der Persönlichkeit. Ein solcher Anspruch sei zweckgebunden und bestehe nur für den Fall einer tatsächlichen Neuanfertigung einer Prothese. Auch ein bei einem Unfall Verletzter könne nur dann Heilbehandlungskosten verlangen, wenn er sich tatsächlich behandeln lasse, nicht aber, wenn er eine Behandlung ablehne und er nur “fiktiv” solche Kosten geltend mache. Aus diesem Grund sei auch der Erbengemeinschaft ein Ersatzanspruch auf fiktiver Grundlage verwehrt.

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